Spannendes Projekt „Österreich-Album 1945-1955“

Anlässlich des Gedenkjahres 2005 erforschten Schüler der vierten Klassen der Hauptschule Westendorf im Rahmen des Geschichteunterrichts Alltags- und Zeitgeschichte.
Unsere Jugendlichen suchten das Gespräch mit Großeltern und Urgroßeltern, mit älteren Verwandten oder Bekannten, um Beiträge aus der Nachkriegszeit zwischen 1945 und 1955 zu sammeln.
In den Fächern Deutsch und Informatik wurde das gesammelte Material nachbearbeitet.
In der Folge nahmen wir am Foto- und Textwettbewerb „Österreich-Album“, welcher vom Österreichischen Buchklub der Jugend ausgeschrieben worden war, teil. Der Auftrag lautete, zu einem privaten Foto aus besagtem Zeitraum einen Text zu verfassen.
Die dabei entstandenen Zeitdokumente - mittlerweile in einer Broschüre gesammelt - stellen einen unvergleichlichen Lehrwert für unsere Schüler dar und sind zugleich interessante und berührende Zeugnisse der damaligen Zeit.
Ein herzlicher Dank ergeht besonders an unsere Zeitzeugen!
Das Projekt ist mit diesem Album nicht abgeschlossen, weitere Beiträge können in den nächsten Monaten noch eingearbeitet werden. Monatlich sollen nun auch Beiträge in den Dorfzeitungen von Brixen und Westendorf veröffentlicht werden, im Mai oder Juni planen wir eine kleine Feierstunde in unserer Schule.
Sollten sich nun einige ältere Mitbürger angesprochen fühlen, uns weitere interessante Zeitdokumente zukommen zu lassen, sind wir äußerst dankbar und setzen uns gerne mit ihnen in Verbindung!

Projektgruppe: HOL Christine Aschaber, HOL Jolanthe Sieberer, HOL Albert Sieberer



Eine harte Zeit

Als meine Oma 17 Jahre alt war, musste sie sich das Geld selber verdienen. Sie hatte noch zehn Geschwister, die in verschiedenen Orten arbeiteten. Ihre Brüder waren bei Bauern, ihre Schwestern waren bei Wirten und Familien. Meine Oma war im Gasthof Aschenwald Tellerwäscherin und Küchengehilfin. Danach machte sie ihr "Pflichtjahr" bei einer Familie in Kitzbühel. Das Essen war immer sehr knapp. Später musste sie zu ihrer Tante nach Wörgl, wo sie als Einzige aus ihrer Familie Schneiderin lernte.
Einmal flogen sogar Tiefflieger über Wörgl und ließen Bomben fallen. Sie war zum Glück in einen Luftschutzbunker geflüchtet. Sie fuhr dann noch am selben Tag nach Hause.
Mit dem Krieg war auch ihre Jugend zu Ende und sie heiratete kurze Zeit danach.
Gegen Ende des Krieges war mein Opa mit seinem Freund in Sardinien stationiert worden. An einem Tag mussten sie bei Ebbe hinaus schwimmen und er hatte Mühe wieder an Land zu kommen; da wäre er fast ertrunken. Sie hatten viel zu wenig zum Essen und mussten bei den Bauern betteln und das Gemüse, das die Bauern auf den Misthaufen geworfen hatten, aßen sie um nicht zu verhungern.

Markus Aschaber

Der Vater kehrt heim

Der Krieg war längst aus, aber die Not war groß. Es gab nur das Allernotwendigste zum Leben. Mein Opa traf sich oft mit seinen Freunden im Passionsspielhaus (Thiersee), wo sie auf der großen Bühne mit den Rädern ihre Künste versuchten.
Es war schon fast dunkel, als er sich einmal auf den Heimweg machte. Gerade als er von der Straße auf den Seitenweg einbog, der zu seinem Zuhause führte, sah er einen Mann, der sich sichtlich mit dem Gehen schwer tat. Er trug eine zerschlissene Soldatenuniform und einen schäbigen Rucksack. Trotz des runden, vollen Gesichts schaute er nicht gut aus. "Wieder einer, der aus der Gefangenschaft heimkehrt", dachte mein Großvater. "Grüß Gott!", sagte er, und "Grüß Gott!" sagte dieser mit matter Stimme.
Bis mein Opa heimkam, war es dunkel geworden. Seine Mutter und die fünf Geschwister waren schon schlafen gegangen. Er aber blieb noch in der Küche sitzen, denn der zerlumpte Heimkehrer ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Plötzlich hörte er schwere Tritte im Hausgang und da öffnete sich die Tür. Der Heimkehrer trat herein, setzte sich auf den Diwan und starrte vor sich hin. Er war am Ende seiner Kräfte. Es war der Vater meines Opas!
Er hatte ihn nicht erkannt, weil er nicht schlank und mager war wie früher, sondern aufgeschwemmt vom Wasser und voller Geschwüre - ein Schwerkranker, der Monate brauchte, bis er wieder zu Kräften kann.
Was war geschehen mit ihm in all der Zeit? Die letzte Nachricht hatte die Familie aus Russland erhalten, aber seither waren eineinhalb Jahre vergangen. So lange hatte mein Opa nicht gewusst, ob sein Vater noch am Leben war! Nun hatten sie ihn wieder, aber schwer krank.
In Thiersee gab es zu dieser Zeit keinen Arzt, aber eine alte Frau, die Hausmittel zur Behandlung der Geschwüre wusste. Und diese halfen!
Immer wieder wollte mein Großvater wissen, was sein Vater im Krieg erlebt hatte, aber dieser wollte einfach nicht darüber reden. Erst viel später erzählte er einem Schwiegersohn, dass er als Sanitäter hauptsächlich die Aufgabe gehabt hatte, die Verwundeten vom Schlachtfeld zu ziehen, bis er schließlich von den Russen gefangen genommen und in ein Lager transportiert worden war.
Lange nach Kriegsende hatte man ihn mit vielen Gefangenen in einen Heimkehrerzug verfrachtet. Aber die Reise sollte lange dauern, weil man ihn dreimal wieder ausladen und in Spitäler bringen musste, weil es ihm gesundheitlich so schlecht ging.

Mein Opa versuchte auch später noch einige Male, doch noch etwas über das Leben seines Vaters nach der Einberufung im Jahre 1941 zu erfahren, aber dieser schwieg weiter. Die Familie nahm das zur Kenntnis, die Hauptsache war schließlich, dass der Vater wieder daheim war.

Marco Sieberer

Vom Brecheln

Im Jahre 1947 - in der Nachkriegzeit -wurde bei uns auch gebrechelt. Im Frühjahr drehten die Bauern die Erde ihrer Äcker mit den Pferden oder Mulis und dem Pflug um. Anschließend wurden die Furchen mit den Hauen fein zerhackt.
Wenn das ganze Feld vorbereitet war, kamen die Bauern, Bäuerinnen und Knechte mit dem Leinsamen. Sie säten ihn aus und arbeiteten den Samen unter die Erdoberfläche.
Im Frühsommer mussten die Mägde zwischen den Pflanzen das Unkraut ganz sauber entfernen. Die Pflanzen bekamen schöne, blaue Blüten, aus denen dann der Samen wieder gewonnen wurde.

Im Nachsommer wurden die Pflanzen dann ausgezogen und auf Stiefel, so genannte Schöber, aufgebracht und so lange stehen
gelassen, bis sie trocken genug waren. Dann mussten die Pflanzen auf dem Feld gebengelt werden. Flachs wurde ausgewaschen und einige Male gewendet, bis er brüchig wurde. Danach wurde er auf dem Feld wieder eingesammelt und nach Hause in die Tenne gebracht. Der Oktober und der November waren die Zeiten in der Brechelstube. Zuerst wurde das Hölzerne vom Flachs durch Erhitzen spröde gemacht und dann schlug man mit den Brecheln alles Grobe ab.
Im Winter mussten die Frauen spinnen und zwar bis acht Uhr abends, da tat der Rücken oft ganz schön weh. Gesponnen wurde Werch für grobes Leinentuch und Haar für feines Leinentuch. Der Weber zog mit seinem Webstuhl von Haus zu Haus um das Tuch zu weben. Dieses wurde auf das Gras gerollt und immer wieder begossen, dadurch wurde das Tuch weiß. Zuletzt wurde das Tuch noch mit Aschenlauge gewaschen.

Johann Beihammer

Was mein Vater im Lager erlebte

Mein Vater Johann Ehrensberger, geb. am 4.4.1929, kann sich noch sehr gut an den 20. April 1945 erinnern: Genau an Hitlers Geburtstag musste er nach Kitzbühel fahren um den Wehrmachtspass abzuholen. Dort gab es jedoch vormittags Bombenalarm und so verzögerte sich die Ausstellung bis in den Nachmittag.
Das Foto war Wochen vorher in Kirchberg gemacht worden und bereits im Jänner und Anfang April war mein Vater im so genannten Wehrertüchtigungslager "Schintagraben" (Anmerkung: "Schinten" ist ein Mundartausdruck und bedeutet so viel wie quälen!) in Hopfgarten. Dort standen zwei Holzbaracken, in denen ungefähr 60 junge Männer für den Kriegseinsatz vorbereitet werden sollten. Die einfache Verpflegung wurde mit einem Maultier in diese entlegene Gegend transportiert. Mein Vater kann sich noch genau an den üblen Geruch der "Brennsuppe" erinnern, die es jeden Tag mit einer Scheibe hartem Brot zum Frühstück gab. Das Mittagessen bestand aus einem Eintopf ohne Fleisch, das Abendessen war karg. Besonders hart waren die Matratzen, auf denen die Männer schlafen mussten, denn sie waren mit Holzwolle gefüllt.
Während des Tages gab es zahlreiche Schießübungen und das Marschieren musste fleißig geübt werden. Mein Vater hatte keine Angst, denn er hatte bereits gehört, dass der Krieg dem Ende zugehe. "Und sonst", erzählt er, "wäre ich geflüchtet!"
In den beiden Baracken herrschte große Kälte, da kein Ofen vorhanden war. Die Verpflegung und Unterkunft wäre um vieles besser gewesen, wenn sich die Männer freiwillig für die Elitetruppe (Waffen-SS) gemeldet hätten. So fanatisch war mein Vater jedoch nicht und außerdem war schon viel Kriegsmüdigkeit vorhanden.
Ab und zu blieb auch Zeit für Späße: Wenn die Männer in der Dunkelheit zum so genannten "Strafexerzieren" antreten mussten, versteckten sich einige Kameraden und er im dunklen Plumpsklo und warteten dort, bis die anderen fertig waren.
Auf diesen Wehrmachtspass passt mein Vater gut auf und gibt ihn nicht gerne aus der Hand, da viele Erinnerungen damit verbunden sind.

Josef Ehrensberger

  

Lebensmittelkarten

Meine Oma hat mir erzählt, dass nach dem Krieg die Besatzer - Amerikanern und Franzosen - kamen. Diese besetzten auch das Haus ihrer Eltern. Ihr Vater war Schneider und durfte daher seine Werkstatt behalten. Die ganze Familie musste in einer kleinen Wohnung  im Dorf unterkommen.
Es gab auch noch einige Zeit die Lebensmittelkarten. Um Brot musste man sich anstellen, jede Person bekam nur das Notwendigste. Man hatte Geld und bekam nichts dafür. Bei den Bauern wurden oft andere Sachen gegen Kartoffeln, Obst oder Lebensmittel eingetauscht. Wer keinen Boden hatte selbst etwas anzubauen, war arm dran.
Und doch mussten sie froh sein, dass bei ihnen keine Bomben gefallen waren. In den Städten mussten auch Frauen und Kinder beim Aufbau der zerbombten Häuser mithelfen. Es war keine schöne Zeit nach dem Krieg.

Daniela Faistenauer

  

Nachkriegszeit

Nachdem die Besatzungsmächte Österreich verlassen hatten, begann der Wiederaufbau. Mein Opa kam nach zwei Monaten Gefangenenlager aus Sibirien wieder nach Hause.
Es war eine karge Zeit, meine Großeltern mussten selbst die Felder anbauen: Getreide, Rüben und Kartoffeln. Das Getreide wurde in einer Mühle gemahlen, diese Mühle steht heute noch.

Ein Flüchtling aus der Ukraine half ihnen immer bei der Arbeit. Auch eine Frau aus Berlin namens Herta, die aus einem Lager geflüchtet war, arbeitete am Hof. Ihr Lohn war Unterkunft und Essen. Sie besucht meine Großeltern heute noch.

Die Frauen, darunter auch meine Großmutter, mussten den Wald aufforsten. Damit man etwas zum Essen kaufen konnte, erhielt man so genannte Lebensmittelkarten, auch für Kleidung wurden Karten verteilt. Die am Bauernhof hergestellten Lebensmittel wurden im Keller meiner Großmutter versteckt. Denn es kam ein Kontrollor (Balthasar Fuchs) um die Ware zu einer Sammelstelle zu bringen. Man durfte nur einen ganz geringen Teil behalten. Zwei Kilo Butter waren sechs Schilling wert. Ein Kilo Butter mussten sie wöchentlich im Altersheim abliefern, das wurde ihnen für die Gemeindesteuer vergütet.
Da im Krieg keine Glocken läuten durften, waren sie abgebaut worden. Nach dem Krieg fand in Westendorf eine große Glockenweihe statt.
Trotz der vielen und harten Arbeit kam auch irgendwann das Vergnügen. Der erste Faschingsball meiner Großeltern fand im Gasthof
Maierhof auf dem Nachtsöllberg statt.

Stefanie Faistenauer

Erinnerungen an die Nachkriegszeit

Anfang Mai 1945 geriet mein Opa in kanadisch-englische Gefangenschaft. Nach kurzem Lagerleben gelang es ihm - mit einem Kitzbüheler - aus dem Lager zu fliehen. Er wurde zu Hause von seinen Eltern sowie Brüdern herzlich empfangen.
Die Besatzungsmacht waren Franzosen, welche die Amerikaner abgelöst hatten. Ein ganzes Kitzbüheler Viertel wurde beschlagnahmt und die alten Eltern meines Opas mussten ihre Wohnung verlassen. Um eine Lebensmittelkarte zu bekommen musste man sich beim Arbeitsamt melden, das zuständig für die Arbeitseinteilung war. Kaufen konnte man ja nur, was es auf den Karten gab.

Mein Opa trat dann dem Bergrettungsdienst bei. Er bekam dort vom Amt neue Berg- und Schischuhe bewilligt. Im Winter galt es die Verletzten mit dem Akja ins Tal zu bringen. Im Sommer wurde dann im Kaisergebirge geübt.
Später kam der Umtausch von DM in Schilling. Im Jahre 1955 wurde Österreich frei und die Besatzer zogen ab.
Opa hatte kurz davor geheiratet und bald darauf wurde meine Mutter geboren.

Florian Doucha

Mit Malaria nach Hause

Michael Achrainer, mein Uropa, war im Zweiten Weltkrieg von 1940 bis 1944 Soldat an der russischen Front. Danach war er drei Jahre Kriegsgefangener der Russen und erst zwei Jahre nach Kriegsende kam er am 17. September 1947 nach Hause. Er kam per Krankenwagen, denn er hatte eine schwere Krankheit, die Malaria.
Auf dem Bild sieht man meinen Uropa beim Holzarbeiten. Zuerst wurden die Baumstämme vom Wald mit einem großen "Krangerüst" heruntergezogen und anschließend gehackt.

Angela Margreiter

     

1945-1955

Früher brauchte man Raucherkarten um Tabak kaufen zu können, man bekam höchstens drei Zigaretten pro Tag. Man benötigte auch Lebensmittelkarten um Lebensmittel kaufen zu können, die nach der Anzahl der Familienmitglieder ausgegeben wurden. Die Lebensmittelkarten bekam man in der Gemeinde. Um Kleidung und Schuhe kaufen zu können, brauchte man Bezugsscheine.
Früher hatte man die Bettwäsche und Hemden aus Flachs angefertigt. Zuerst musste man ihn ernten, ausbreiten und bleichen, trocknen, schlagen, brecheln, zu Garn spinnen und erst der Weber stellte ihn dann im Haus fertig.
Gewaschen wurde jeden Monat einmal. Man hat die Aschenlauge fünf bis sechsmal über die Wäsche gegossen und sie dann gerumpelt und ausgekocht. Es gab keine Brause und kein Bad, es wurde in der Waschküche meistens nach dem Waschtag gebadet.
Man baute Roggen für das Brot an, Gerste zum Kochen, Weizen zum Backen, Mais für Brei, und Hafer für Pferd und Hühner. Der Acker und der Gemüsegarten zur Selbstversorgung mussten mit der Hand gemäht werden. Es gab am Bauernhof Kühe, Schweine, Jungtiere, Gänse, Enten, Hühner, Pferde, Schafe und Ziegen. Einmal im Jahr schlachtete man ein Schwein, das ganz gegessen wurde.
Im Winter ist man zu den Hochwiesen bei -28 Grad gegangen um Heu und Brennholz mit einem Schlitten zu holen. Früher machte man die Arbeit in der Dunkelheit mit Kerzenlicht, Petroleumlampen und Karbid.
Das Wasser wurde vom Berg mit Holzröhren zu den Häusern gebracht. Bei uns in Bichling gab es damals vier Häuser.

Claudia Fuchs

Von der Nachkriegszeit

Meine Oma Katharina Grafl, geb. am 30.7.1930, erzählte mir allgemeine Dinge über die Nachkriegzeit. Man lebte sehr einfach, hatte wenig zu essen, man musste auf Strohsäcken schlafen und man musste im Haushalt mithelfen. Gleich nach dem Krieg hatte man keinen Strom, man musste Petroleumlampen verwenden.
Als Schultasche wurde ein Leinenstoff eingefärbt und zusammengenäht, außerdem trug man Holzschuhe.
Früher spielten die Buben allgemein mit Holzklötzchen und Tannenzapfen, die sie als Kühe verwendeten. Die Mädchen hingegen nahmen alte Stoffreste und nähten daraus Kleider für ihre Puppen.
Die Kinder mussten bei den Feldarbeiten mithelfen, wie z.B. Wasser tragen oder mit Bürste und Schrubber die Böden putzen.
Früher erledigte man die Heuarbeit mit der Hand und mit der Sense wurde gemäht. Am Abend mussten die Frauen Wolle oder Flachs spinnen.

Stefanie Grafl

Ein Brief aus der Gefangenschaft

Das beeindruckendste Ereignis aus den Erzählungen meines Großvaters  über die Kriegsgeschehnisse war ein Brief meines Großvaters aus der russischen Gefangenschaft an seine Familie.
Mein Opa war vom Ende des 2. Weltkrieges 1945 bis zur seiner Rückkehr am 10. Januar  1950 ständig in russischer Gefangenschaft.
Aus dieser schrecklichen Zeit schrieb er am 25. Januar 1947 einen Brief an seine Eltern. Dieser Brief war in altdeutscher Schrift auf ein Papier von einem Tabakbeutel, den er fein und sauber geglättet hatte, in gestochener Schrift mit Bleistift geschrieben. Bemerkenswert an diesem Brief fand ich die Ausdruckweise, die mein Opa verwendet hatte, wie z.B. "Habe heute die günstige Gelegenheit ein Brieflein mitzugeben...."
Dieser Brief kam nämlich auf abenteuerliche Weise im Stiefelschaft eines deutschen Soldaten, der nach Hause in die Freiheit durfte, und weiter über einige Umwege zum Sonnleithof. In diesem Brief erfuhren seine Eltern vor allem, dass er noch am Leben war, es ihm so recht und schlecht gut gehe, er aber noch nicht nach Hause durfte, weil er zu gut zum Arbeiten war.
Man bedenke, dass mein Opa vom 19. bis zu seinem 26. Lebensjahr im Krieg und anschließend in Gefangenschaft war. Vom Erhalt des Briefes bis zur Heimkehr vergingen noch drei Jahre und als er heim kam, wog er nur noch 46 Kilo. 

Simon Hetzenauer

Viel Arbeit für die Frauen

Am 14. Mai 1945 hatte der Zweite Weltkrieg sein Ende. Viele Väter und Söhne sind im Krieg gefallen oder gefangen genommen worden, sodass die Arbeit auf den Hof vielfach die Frauen und Kinder erledigen mussten.
Zu dieser Zeit wurden noch auf jedem Hof Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Hanf und Flachs angebaut. Die Bestellung des Ackers war am steilen Hang besonders schwierig, da große Flächen mit Hauen für die Aussaat vorbereitet werden mussten. Auch bei dieser Arbeit mussten die Kinder fleißig mithelfen. Der Pflug wurde von den Pferden gezogen, das war am steilen Hang besonders schwer.
Nach etwa fünf Wochen war die Aussaat schon etwa 10 cm hoch, da musste der Weizen vom Unkraut befreit werden. Um die Arbeit ab und zu zu erleichtern, kamen oft Taglöhnerinnnen, die für einen Laib Brot und eine Kanne Milch arbeiteten.
Kaum waren diese Arbeiten gemacht, begann die Heuarbeit: Alle Wiesen wurden mit der Sense gemäht. Um vier Uhr früh wurde zu mähen begonnen, um neun Uhr war "Jausenzeit" und um zehn Uhr wurde das Mähen beendet. Am Nachmittag musste das am Vortag gemähte Heu gewendet und in die Scheune gebracht werden. Am steilen Hang wurde das Heu auf ein ausgelegtes Seil geschichtet, dann festgebunden und auf dem Kopf in die Scheune getragen. Die Kinder verteilten es auf dem Hestock. Nun kam die Zeit das Getreide zu ernten. Das Getreide wurde mit der Sichel geschnitten, zu Garben gebunden und auf Stiefeln
geschichtet, um zu trocknen. Nach einer kurzen Lagerzeit wurde das Getreide gedroschen, um die Getreidekörner vom Stroh zu trennen. Dann wurde es mit der Windmühle gereinigt und in der Getreidekammer in Truhen gelagert. Nach einer kurzen Lagerzeit wurde es zur Mühle gebracht und nach dem Mahlen wieder nach Hause geholt. Aus dem Mehl hat man dann das Brot gebacken..

Stefanie Kogler und Karoline Schmid

Eine Landwirtschaft (Grabner-Hof)

Dieser Hof gehörte damals meiner Uroma Maria Koidl, geborene Bachler. Heute gehört der Hof meinen Großeltern Matthäus und Monika Krall. Zu der Zeit hatte der Hof ein eigenes Kraftwerk zur Stromerzeugung sowie eine eigene Wasserquelle, die auch heute noch genützt wird.
Im Vordergrund des Bildes sieht man meine Oma im Alter von etwa sechs Jahren auf dem Rand des Wassertroges sitzen, der zur Tränke der Kühe diente. Ein Marienbild befand sich an beinahe jedem Bauernhaus und der Besuch der heiligen Messe war zumindest am Sonntag Pflicht.
Um 1950 hatte diese Landwirtschaft sechs Knechte und zwei Mägde. Um 1954 kam der erste Traktor auf den Hof.

Christian Koidl

Nachkriegszeit

Mein Opa und meine Oma haben mir erzählt, dass nach dem Krieg niemand viel Geld gehabt hat, die Lebensmittel waren knapp und alles musste selbst angebaut werden. Roggen, Kartoffeln, Hafer, Gerste mussten mit der Hand gemäht werden, denn man hatte kein Geld für Maschinen.
An den Tagen, an denen gemäht wurde, musste man um halb vier aufstehen und bis elf Uhr mähen. Am Nachmittag musste alles gewendet werden und dann holten sie das Heu mit den Pferden ab. Manchmal mussten die Kinder von der Schule zu Hause bleiben, da sie mithelfen mussten.
Einmal im Monat wurden etwa 15 bis zwanzig Laib Brot gebacken.
Die Kinder spielten, indem sie zu einem Bach gingen, ihn aufstauten und darin schwammen.

Peter Laiminger

Der erste lebende Mohr

Im Dorf war alles seltsam aufgeregt. "Der Krieg ist aus", sagten sie, "und die Amerikaner sind auf dem Weg zu uns! Von Bayrischzell her kommen sie!"
Mein Großvater und sein Freund glaubten das nicht, waren sie doch erst vor wenigen Tagen, zusammen mit ein paar alten Männern und einer Schar Frauen, ein Stück innerhalb von Landl zu einer Arbeit eingeteilt. Einen Panzergraben mussten sie anlegen - gut zwei Meter breit und so tief, dass die Buben sich ganz schön strecken mussten, um mit der Schaufel die Erde hinauszuschöpfen. Für sie war klar: Da kommt kein Auto durch! Links der Bach und rechts die steile Böschung und dazwischen der tiefe Graben!
Mein Opa und sein Freund Max blieben auch. Langsam befiel sie eine gewisse Angst. Was war, wenn die Amerikaner wirklich den Panzergraben überbrückt hatten?Und dann wurde es laut und eine ganze Reihe Panzerwagen rollte heran und dahinter Jeeps und Lastwagen. In vielen Wagen saß ein Schwarzer am Lenkrad. "Neger" kannten sie nur aus Büchern und Fotos und auch in der Weihnachtskrippe war einer - der Mohrenkönig.
Seltsam! Diese amerikanischen Soldaten schauten gar nicht grimmig und böse drein. Sie lächelten freundlich und winkten ihnen zu, und einige, die auf den Lastwagen saßen, warfen den Kindern etwas zu, was wir bisher nicht gekannt hatten oder zumindest während der Kriegsjahre nie mehr bekommen hatten: Kaugummi und Schokolade.
"Das sind doch ganz nette Leute", dachte mein Opa, "und wenn der Krieg jetzt aus ist, wird mein Vater wohl bald wieder heimkommen."

Marco Sieberer

Bomben auf den Bahnhof

Der Bruder meines Opas hieß Hansjörg und wohnte mit seiner Familie in Vorarlberg. In den Sommerferien durften seine beiden Söhne (etwa zwölf Jahre) mit dem Zug zu Opa und Oma nach Bruckhäusl fahren. Die Mutter setzte sie in den Zug hinein, und die zwei wussten schon, wo sie aussteigen mussten. Sie fuhren ja öfters allein. Wenn sie Kundl verließen, wussten sie: Nur noch zwei Halltestellen: Wörgl und Bruckhäusl ("Söll-Leukental").
Doch einmal - kurze Zeit nach der Abfahrt in Kundl - stoppte der Zug plötzlich. Niemand wusste, warum. Als die Jungs nachschauten, sahen sie, dass sie nicht einmal in Wörgl waren. Als sie ausgestiegen und ein Stückchen mit den anderen Leuten gegangen waren, kam der Zug wieder und das Zugpersonal riss sie in den Zug. Als sie zum Wörgler Bahnhof kamen, bemerkten sie, dass der ganze Bahnhof zerbombt war. Als sie das sahen, waren sie vollkommen schockiert. Sie hofften nur, dass meine Großeltern noch am Leben waren, aber zum Glück war noch alles gut gegangen.
Einer der beiden Brüder wohnt noch immer in Vorarlberg, er heißt Erich, und der andere wohnt in der Schweiz, er heißt Kurt. Den Erich kenn ich nicht und der Kurt erzählt noch heute öfter diese spannende Geschichte.

Michael Krall

Weihnachten nach dem Krieg

Die Patin meiner Mutter, kurz "Godei" genannt, erzählte mir vom Hl. Abend in der Nachkriegszeit. Sie erinnerte sich an jenes Weihnachtsfest, bei dem auch ihre beiden Brüder, die vom Krieg heimkehrten, wieder mitfeiern konnten.
Da sie die einzige Tochter im Haus war, blieb die ganze Arbeit an ihr hängen. Am Morgen musste sie alle Böden putzen und nachmittags war es ihre Aufgabe ins Tal zu gehen und von der Kirche Weihwasser zu holen, was nur vom Hl. Abend sein durfte.
Als sie nach einer Stunde Fußmarsch wieder am Bergbauernhof angelangt war, warteten ihre Brüder schon mit der Glut, die sie zur Haussegnung brauchten. Dazu ging die ganze Familie mit Weihrauch und dem eben geholten Weihwasser durchs Haus, betete und segnete es. Danach gab es Essen und sie beteten zwei Rosenkränze.
Am Abend setzten sie sich besinnlich zusammen und Godeis Bruder Hois spielte auf der Harfe. Sie erinnerte sich an ein besinnliches, tief gläubiges Fest, jedoch nur an kleine Geschenke.

Veronika Nagele

Wie ein Auftrag Omas Leben rettete

Es war beinahe gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, als meine Oma 14 Jahre alt war - kurz vor Weihnachten. Sie besuchte zu dieser Zeit die Frauenberufsschule in lnnsbruck.
Am letzten Schultag vor den Ferien kam eine Lehrerin aus der Parallelklasse in ihre Klasse. Sie fragte, ob jemand aus dem Unterinntal anwesend sei. Meine Oma zeigte als Einzige auf und dies sollte später ihr Leben retten. Die Lehrerin gab ihr ein Paket, mit der Bitte, es noch vor dem Heiligen Abend in das Windautal zu ihren Verwandten zu bringen. Meine Oma hatte aber erst spät Schulschluss und wäre an diesem Tag nicht mehr in die Windau gekommen. Die Lehrerin sorgte jedoch dafür, dass meine Oma eine Stunde früher gehen durfte um noch rechtzeitig einen Zug zu erreichen.
Gerade als der Zug in Rattenberg in den Tunnel einfuhr, machte er eine Notbremsung und blieb stehen. Wenig später erfolgte die Durchsage, dass in diesem Moment der Bahnhof lnnsbruck schwer bombardiert werde. Nach einigen Stunden konnte der Zug die Fahrt fortsetzen und meine Oma konnte das Paket in die Windau bringen.
Von der Lehrerin, die ihr durch diesen Auftrag das Leben rettete, hat sie jedoch nie mehr etwas gehört. Wahrscheinlich wäre ich heute gar nicht hier, wenn nicht diese Lehrerin ein Weihnachtspaket für ihre Leute in der Windau gehabt hätte.

Andrea Pendl

Die Feuerwehr Brixen in der Nachkriegszeit

Mein Opa erzählte mir, dass es in der Nachkriegszeit keine Atemschutzgeräte gab und so viele Brandeinsätze sehr gefährlich waren. Die Wasserversorgung klappe auch nicht immer. Alarmiert wurde man durch die Sirene und dann lief man (oder fuhr mit dem Rad) zur Feuerwehr, Autos hatten damals ja noch nicht viele.
Wenn es auf einem Berg brannte, konnte man meistens nur bis zu einer bestimmten Stelle hinfahren und dann musste die Pumpe mittels Pferden weitertransportiert werden. Um Löschwasser auf den Berg zu bekommen, musste man das Wasser in einem Bach aufstauen. Oft wurden auch hunderte Meter lange Schlauchleitungen gelegt, damit nach langer Zeit endlich gelöscht werden konnte.

Hannes Rieser

  


Harte Arbeit

Meine Urgroßmutter musste nach dem Zweiten Weltkrieg alles auf dem Bauernhof machen. Sie hat mir erzählt, dass sie mit den Pferden immer Holz holen und Stall ausmisten musste. Dazu kam noch, dass ihr Bruder im Krieg gefallen war und ihr Vater schwer krank war und dann auch gestorben ist.
Natürlich mussten meine Urgroßmutter und die anderen Frauen das abgeholzte Holz wieder aufforsten.
Meine Urgroßmutter betonte immer, dass es damals ein hartes Leben war, aber dass sie auch nun viel mehr das Leben zu schätzen wisse.

Peter Wechselberger

Omas Erinnerungen

Meine Oma war nach dem Krieg Alleinerzieherin ihres Sohnes. Ihren Mann hatte sie im Krieg verloren.
Um ein wenig Geld zu verdienen, ging sie zu Bauern und verarbeitete ihre Schafwolle mit dem Webstuhl zu Garn oder strickte ihnen Socken, Handschuhe und anderes. Sie bekam so ein wenig Geld, doch das reichte noch lange nicht aus. Um nur eine paar Schuhe für ihren Sohn zu bekommen, musste sie eine lederne Brieftasche und noch einige Schilling hergeben.

Julia Schabel

Das Hopfgartner Kino

Das Kino in Hopfgarten wurde im Jahr 1926 erbaut und im Jahr 1938 von meinen Urgroßeltern erworben.
Während des Krieges wurde es durch die Gaufilmstelle in unregelmäßigen Abständen bespielt. Es kamen natürlich nur deutsche und österreichische Filme zur Aufführung, welche großteils von sehr guter Qualität waren, denn der deutschsprachige Film hatte sehr gute Regisseure und hervorragende Schauspieler.

Nach dem Krieg wurde nun der regelmäßige Spielbetrieb aufgenommen. Es war nur ein Projektor vorhanden, zur pausenlosen Vorführung werden aber zwei Projektoren benötigt. Ein Film von einer Länge von ca. 3000 m besteht aber aus fünf bis sechs Rollen. Um nur zwei Pausen zu haben, mussten immer zwei Rollen zusammengeklebt und nach der Vorführung wieder getrennt werden. Die Tonanlage (Verstärker) wurde aus primitivsten Mitteln von drei russischen Technikern gebaut, welche mit ihren Familien als Flüchtlinge in Hopfgarten waren.
Diese Anlage stand bis 1953 im Dienst und diente dann als Reserve.
Das normale Filmverleih- und Vertriebsgeschäft existierte in den ersten Nachkriegsjahren noch nicht. Die Filme mussten von der ehemaligen Gaufilmstelle - jetzt Landesfilmstelle - in Innsbruck bezogen werden. Nachdem der normale Filmversand per Bahn noch nicht möglich war, mussten die Filme persönlich in Innsbruck abgeholt und wieder zurückgebracht werden. Das war wieder mit Schwierigkeiten verbunden, denn die Eisenbahnbrücke in Brixlegg war durch Bomben zerstört worden. Der Zug fuhr bis Rattenberg und der Film (ca.25 kg) musste bis zum Anschluss zwischen Brixlegg und Münster getragen werden.
Der Spielbetrieb wurde am 29. Juli 1945 mit dem Mozartfilm "Wen die Götter lieben" aufgenommen. Die Vorstellungen fanden anfänglich von Freitag bis Sonntag statt. Mangels anderer Vergnügungsmöglichkeiten wurden die Kinos von den Besuchern gestürmt, obwohl nur die alten deutschen und österreichischen Filme aufgeführt wurden. Der Eintrittspreis betrug 0,80 bis 1,30 DM.
Ab 1948 kamen dann die ersten ausländischen Filme auf den Markt. Diese waren meistens aus amerikanischer, englischer, französischer und russischer Herkunft. Nach all den Jahren, in denen nur deutsche Filme zu sehen waren, war die Bevölkerung nach ausländischen Filmen ausgehungert und diese fanden großen Anklang. Meistens waren sie deutsch untertitelt.
In Hopfgarten waren zu dieser Zeit bis zu 1000 französische Besatzungssoldaten und es musste auch für diese gespielt werden. Sie brachten jedoch ihre eigenen Filme. Es kam auch vor, dass von der französischen Kommandantur gewünscht wurde, für sie einen Film zu spielen, obwohl meine Großeltern eine ausverkaufte Vorstellung hatten. Die einheimischen Zuschauer mussten wieder unverrichteter Dinge nach Hause gehen. Das war sehr unangenehm.
Das normale Filmgeschäft kam dann ca. 1948 in Gang, als dann wieder österreichische Verleihfirmen neben den ausländischen den Betrieb aufnahmen.
Das Kino mit 225 Plätzen wurde laufend renoviert und im Jahr 1953 mit den neuesten Projektoren und Tonanlagen ausgestattet.
Es war nun eine pausenlose Vorführung - auch von Breitwand- und Cinemascopefilmen - möglich.
Infolge des nun einsetzenden Wohlstandes änderte sich allmählich auch das Freizeitverhalten der Bevölkerung. Die Motorisierung setzte in großem Stil ein, verschiedene neue Sportarten kamen auf den Markt und vor allem das Medium Fernsehen nahm dem Film die Besucher weg. Das Kino wurde im Jänner 1972 geschlossen.

Lisa Schörghofer

Ein Familienfoto aus dem Jahre 1948

Meine Großtante Maria Luxner geb. Ehrensberger. damals 9 Jahre alt, erzählt:
An einem nasskalten Wintertag wurden die Vorbereitungen für diese Aufnahme getroffen. Meine Großtante kann sich noch heute sehr gut an diese "Aufregung" erinnern, denn schließlich sollten alle Familienmitglieder fesch ausschauen:
Auf dem Foto, das auf der Scheunenauffahrt entstand, sind die Großeltern meiner Mutter mit ihren sechs Kindern im Alter von neun bis zwanzig Jahren abgebildet. Dieses Foto weckt in meiner Großtante Erinnerungen an eine durchaus glückliche Kindheit, denn trotz des Zweiten Weltkrieges war Not kein wirkliches Thema.
Die Brüder meiner Großtante tragen selbstgeschneiderte Trachtenanzüge, die nur zu besonderen Anlässen getragen werden durften. Obwohl meine Urgroßmutter das Nähen nicht gelernt hatte, waren die Anzüge sehr gut gelungen. Ein weißer Hemdkragen sticht beim Vater und den Söhnen besonders hervor. Obwohl es keine Waschmaschine gab, wurde doch viel auf Sauberkeit geachtet.
Für meine Großtante und deren Schwester nähte die Mutter eine ganz besondere Rarität: die ersten Schihosen aus Loden. Meine Großtante erzählt aber auch, dass sie mit diesen Hosen nie Schi fahren durften, das war für Mädchen kein Thema! Besonders gut kann sie sich noch heute an die selbstgestrickten Jacken aus roter Schafwolle erinnern. Mit einem aufwändigen Noppenmuster und den aufgestickten gelben und schwarzen Sternen fühlten sich die Mädchen ganz besonders hübsch.
Unter der Hose trugen die Mädchen lange, gestrickte Socken aus beißender Schafwolle (zwei links, zwei rechts gestrickt), die an einer Art Mieder befestigt worden sind. Auch die Buben hatten lange, selbstgestrickte Strümpfe und die Unterwäsche war ein eigenes Thema: Jeder besaß maximal zwei bis drei Unterhosen.
Die Schuhe waren auffallend hoch, aus Leder und schon sehr abgetragen, weil sie stets weitergegeben wurden.
Vor dem Fototermin musste sich jedes Familienmitglied in der Waschschüssel, die auf einem Eisenständer in der Küche stand, waschen. Lustig findet meine Tante noch heute, dass nach dem Waschen des Gesichts und der Hände auch die Füße im selben Wasser mit Kernseife gereinigt wurden. Ein ganz grobes, weißes Leinenhandtuch wurde zum Abtrocknen verwendet.
Nur sehr selten wurde fotografiert, so war diese Aufnahme auch etwas ganz Besonderes und weckt in meiner Großtante viele Erinnerungen. Sie könnte noch so vieles erzählen.
Meine Großtante betont, dass alle Kinder viel arbeiten mussten: Die Brüder waren für Arbeiten im Stall und auf dem Feld verantwortlich, die Schwestern mussten im Haushalt fleißig anpacken. Zeit zum Spielen gab es nicht, vielleicht war die Arbeit manchmal so etwas wie ein Spiel, wenn sie nicht ganz ernst genommen wurde.
Großtante Maria erzählt noch, dass jeder Tag um sechs Uhr morgens begann, denn um sieben Uhr fand der Frühgottesdienst statt, den man unbedingt besuchen musste. Sonst hätte es schlechte Noten in Religion gegeben, das wollte niemand. Sieben Tage hatte die Woche und somit musste siebenmal der Gottesdienst besucht werden.
Meine Großtante könnte noch so viel erzählen, weil sie sich plötzlich wieder sehr gut an ihre Kindheit erinnern kann. Ihr zuzuhören hat große Freude gemacht und vielleicht gibt es noch weitere solche Gespräche.

Andreas Wetzinger

Der Fußmarsch nach Hause

Nach der üblichen Ausbildung in Leibnitz, Völkermarkt und Kufstein wurde mein Großonkel Sepp (geboren am 24.4.1927) mit seinem Schulfreund aus Kirchbichl an die Front geschickt.
Sein erster Einsatz erfolgte im Spätherbst 1944 in Schlesien - das ist im heutigen Polen - gegen die Rote Armee. Die deutschen Truppen waren zu dieser Zeit schon lange nicht mehr in der Lage, die russische Übermacht aufzuhalten, sodass Großonkel Sepp und die anderen Soldaten immer wieder gezwungen waren ihre Stellungen aufzugeben und den Rückzug anzutreten. Seine Eltern wussten seit Weihnachten 1944 nichts mehr von Sepp, weil die so genannte Feldpost nicht mehr funktionierte.
So ging es weiter bis zum Mai 1945. Im Radio hörten mein Großonkel und seine Kameraden, dass Anfang Mai 1945 amerikanische Truppen in Tirol einmarschiert waren und der Krieg somit dort ein Ende hatte. Sein Oberbefehlshaber, General Schörner, wollte aber noch nicht kapitulieren, obwohl die militärische Situation aussichtslos war.
Erst um den 10. Mai 1945 war dann auch für ihn und die anderen an der Ostfront der Krieg zu Ende. Sepp befand sich damals mit seiner Einheit (Granatwerfer 8 cm) in der Umgebung von Dresden.
Nachdem sie in russische Gefangenschaft geraten waren, wurden die Soldaten auf einem großen Feld eingekreist und entwaffnet. Sie waren ungefähr 10.000 ehemalige deutsche Soldaten, die von siegestrunkenen russischen Truppen bewacht wurden. Weil die ständig betrunkenen russischen Soldaten von Zeit zu Zeit einschliefen, gelang es manchen Gefangenen in der Nacht zu fliehen, wobei aber immer wieder Flüchtende erschossen wurden.
Eines Nachts gelang auch meinem Großonkel, gemeinsam mit drei anderen Soldaten, einem Steirer und zwei Wienern, die Flucht. Die drei älteren Kameraden nahmen ihn nur deshalb mit, weil er Österreicher und der Jüngste war und außerdem einen Kompass besaß. Da sie nicht genau wussten, wo sie sich befanden, war der Kompass ein wichtiges Instrument.
Nach der gelungenen Flucht versteckten sich die Flüchtenden im Wald, um bei Dunkelheit von den Bauern Essen zu betteln. Jeden Tag musste diese Aufgabe der Nahrungsbeschaffung ein anderer übernehmen. Manchmal wurden sie auch abgewiesen.
Inzwischen waren sie durch ihre Nachtmärsche immer weiter nach Westen gekommen, sodass sich Sepp und seine Kameraden eines Tages im so genannten Niemandsland befanden. Dieses war ein Gebiet zwischen Russen und Amerikanern, ca. 20 km breit und frei von Besatzungssoldaten. Damit waren ihre nächtlichen Märsche vorderhand vorbei. Sie konnten bei Tag offen um Essen bitten. Manche Bauern verlangten dafür Arbeitsleistungen.
In diesem Niemandsland blieben sie etwa vier Wochen, immer in der Hoffnung irgendwann zu den Amerikanern in Richtung Westen zu stoßen. Es wurde ihnen aber von den Einheimischen gesagt, dass Flüchtende keine Aussicht hätten, die amerikanischen Absperrungen des Niemandslandes zu überwinden.
Eines Tages machten sich mein Großonkel und die anderen aber trotz aller Warnungen in Richtung Westen auf und erreichten schließlich nach 200 km Fußmarsch die in Westdeutschland gelegene Stadt Plauen. Dort wurden sie von amerikanischen Soldaten gefangen genommen und in ein überfülltes Lager gebracht. Hier waren die vier trotz Hungers in Sicherheit und wurden nach zehn Tagen entlassen. Vor ihnen lagen nun lange Heimwege nach Wien, Graz und für Sepp nach Tirol. Die vier marschierten gemeinsam und natürlich immer um Essen bettelnd von Plauen nach Traunstein. Dort musste sich mein Großonkel von seinen drei Kameraden
trennen und allein in Richtung Tirol weitermarschieren. In Aschau am Chiemsee erhielt er von einem Bäckermeister, der offenbar Mitleid mit ihm hatte, einen Laib Brot, der innerhalb weniger Stunden verzehrt war.
Als Sepp am Wildbichlpass (Grenze zwischen Österreich und Deutschland) angekommen war und nach langer Zeit die Festung Kufstein sehen konnte, musste er mit den Tränen kämpfen. Nun ging er weiter über Kufstein nach Kirchbichl. Dort unterbrach er seinen Marsch, um sich zu erkundigen, ob sein einstiger Schulfreund inzwischen nach Hause gekommen war. Er war 14 Tage vor ihm daheim angekommen und sein Freund und er waren froh über das Wiedersehen.
Am nächsten Tag zog es meinen Großonkel Sepp mit aller Macht nach Westendorf. Sein Schulfreund begleitete ihn. Als sich sein Freund vorerst allein bei Sepp s Eltern zeigte, machten sie ihm fast Vorwürfe, warum er schon daheim sei und mein Großonkel noch nicht. Einige Minuten später trat Sepp ins Haus und die Wiedersehensfreude war natürlich riesengroß. Damals sah mein Großonkel seinen Vater zum ersten Mal weinen.
So fand ein fast 800 km langer Marsch zu einem glücklichen Ende.

Alexandra Wimmer

Der "Spanische Doktor"

Mein Urgroßvater hatte drei Brüder, mit denen er in den Krieg gegangen war und alle kehrten zurück.
Als mein Urgroßvater 1943 wegen eines Augenleidens entlassen worden war, bekam er zu Hause die Malaria. Alle dachten, er würde sterben, weil er schon ein Jahr lang sehr krank im Bett lag. Kein Arzt konnte zu ihm nach Hause kommen. Doch eines Tages erschien der so genannte "Spanische Doktor", wie ihn alle nannten. So wurde der Patient 1945 wieder gesund und in diesem Jahr wurde auch mein Großvater geboren. Der Arzt empfahl meiner Familie auf die Alm zu gehen, dort wurde mein Urgroßvater wieder ganz gesund.
Obwohl damals viele froh waren, dass die Amerikaner im Land waren, gab es dennoch viel Ärgerliches. Mein Urgroßvater arbeitete dann als Schmied, er entwarf eine wunderschöne Truhe. Eines Tages kam ein Amerikaner vorbei und fragte, ob es möglich sei, noch so eine Truhe zu machen, diese wollte er seiner Frau schenken. Er besuchte meine Urgroßeltern oft und brachte ihnen Süßigkeiten mit. Als die Truhe fertig war und der Amerikaner vorbei kam, fragte er, ob er sie mitnehmen könne um sie seiner Frau zu zeigen. Mein
Urgroßvater erlaubte es ihm unter der Bedingung wieder zu kommen und zu zahlen. Doch der Amerikaner kam nie wieder und sie hatten keinen Namen und keine Adresse.

Claudia Woods

Die Gründung des Schiklubs

Am 22. November 1931 wurde in Westendorf ein Wintersportverein gegründet. Zum Obmann wurde Johann Margreiter, "Stimmlerbauer", gewählt. Jedoch wurde der Wintersportverein 1938 aufgelöst (Deutsches Reich, NSDAP).
Nach dem Kriege versammelten sich einige Schibegeisterte zur Neugründung. So entstand der "Ski-Club Westendorf". Zum Obmann wurde Johann Ziepl (Jakobwirt) gewählt.
Die ersten Ski-Club-Rennen fanden noch ohne Lift statt. Die Rennläufer mussten zu Fuß bis zum "Stimmlacher" gehen, denn erst 1948 wurde der erste Sessellift in Westendorf gebaut.
1949 fand das erste Alpenrosenrennen statt. Der Start war bei der heutigen Alpernrosenhütte. Dieses Rennen war in der Folge weitum sehr bekannt und die Besetzung wurde immer besser. Sogar Erste-Klasse-Fahrer (entspricht der heutigen Europa- und Weltcup-Klasse) nahmen damals schon daran teil.
1953 wurden die Tiroler Meisterschaften in Westendorf durchgeführt.

Julia Lampl

Der Hausbau

Nach Kriegsende 1945 kam mein Opa von Krieg nach Hause und begann mit seinem Vater unter ganz schwierigen Bedingungen im Jahre 1947 eine Gerberei mit Wohnung zu bauen.
Es war wirklich mühevoll, da man noch keine Baumaschinen wie heute hatte. Mit Holzschubkarren wurde das Baumaterial, Ziegel und Beton schwerst transportiert. Für das ganze Baumaterial benötigte man Bezugsscheine, die bei der BH beantragt werden mussten. Diese waren aber schwer zu bekommen. Zudem kam im Jahr 1948 die Geldentwertung, wo über Nacht die schwer erarbeiteten Ersparnisse  stark abgewertet wurden. So musste man von der Bank Kredite aufnehmen, die sie durch jahrelanges Sparen zurückzahlen konnten.
Im November 1949 war das Haus bezugsfertig und sie konnten notdürftig einziehen.

Christine Niederkofler

Russisch als Hauptfach

Meine Tante Trude erzählte mir, wie es ihr und ihrer Familie nach dem Zweiten Weltkrieg in der Schule in Baden bei Wien erging.
Damals waren mehr 45 Schüler in ihrer Hauptschulklasse. Tante Trude meint, dass in der Volksschule noch mehr Kinder in den Klassen waren, da Buben und Mädchen da ja noch nicht getrennt waren.
Religion war immer ein Hauptfach, dazu kamen in Wien Englisch und Russisch. In der Volksschule musste man beim Religionsunterricht immer sagen, ob man in der Sonntagsmesse gewesen war.
Man konnte die Volksschule acht Jahre lang besuchen. Nur wenige Schüler wechselten mit zehn Jahren in die Hauptschule, weil man in diesem Fall eine Aufnahmsprüfung machen musste. Schüler mit einer Behinderung konnte nie in eine Hauptschule gehen.
Jedes Jahr gab es in der Volksschule und in der Hauptschule einen Schreibwettbewerb. Mit einem ihrer Aufsätze gewann Tante Trude 1945 den ersten Preis, der aus Büchern bestand.
In dieser Zeit war es wichtig, dass die Buben etwas lernten, bei den Mädchen war das eher egal, manche durften gar nicht in die Schule.

Violeta Beqa

 

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