HS Westendorf wird Modellschule

In fast allen Ländern beginnen im Herbst Schulversuche mit der Bezeichnung „Neue Mittelschule“. Schüler mit unterschiedlicher Begabung werden dabei gemeinsam unterrichtet (Gesamtschule), wobei verschiedene Fördermodelle dafür sorgen sollen, dass auch die begabten Kinder entsprechend gefordert werden. Diese Schulversuche werden vornehmlich in städtischen Bereichen durchgeführt, in denen die Situation durch den Zulauf zu den Gymnasien wesentlich problematischer ist als auf dem Land.

Tirol will an diesen Schulversuchen aus verschiedenen Gründen noch nicht teilnehmen und hat ein eigenes Modell entwickelt, das vorerst die Schulen im ländlichen Raum stützen und weiterentwickeln soll. Bekanntlich besuchen in Tirol fast 80 Prozent der 10- bis 14-Jährigen eine Hauptschule, und ein großer Teil von ihnen setzt seine Ausbildung nach der Hauptschule in einer höheren Schule fort. So ist es nicht verwunderlich, dass nach wie vor der überwiegende Teil der Maturanten aus den Hauptschulen kommt. Besonders deutlich zeigen die stadtfernen Hauptschulen vor, dass der Weg über diese Schulform ein durchaus erfolgreicher sein kann.

Der Schulversuch mit der Bezeichnung „Modellschule Tirol“ möchte einerseits die leistungsstarken Abgänger der Volkschulen in eigenen Klassen noch mehr fördern, andererseits aber auch den schwächeren Schülern vermehrte Fördermöglichkeiten anbieten. Außerdem sollen neue Lernformen verstärkt eingesetzt und das individuelle Lernen gefördert werden. Aus diesem Grund wurde für die Klassen in diesem Schulversuch eine Schülerhöchstzahl von 20 festgesetzt.

Nach etlichen Vorgesprächen wurden vom Land Tirol vier Schulen (HS Achensee, HS Elbigenalp, HS Ebbs, HS Westendorf) ausgewählt, die den Schulversuch „Modellschule Tirol“ tragen sollen. Jede dieser Schulen wird mit einer AHS - in unserem Fall ist es das Bundesgymnasium St. Johann - zusammenarbeiten.

Unsere neuen Erstklassler werden im September in vier Klassen starten. Zwei Klassen werden mit Schülern besetzt sein, die die AHS-Reife aufweisen, also im Volksschulabschlusszeugnis nur Sehr gut und Gut haben und somit überall in der 1. Leistungsgruppe sind. Die anderen beiden Klassen gehören den Schülern, die aufgrund der Volksschulnoten in den 2. oder 3. Leistungsgruppen sind, wobei die zweite und die dritte Leistungsgruppe jeweils gemeinsam unterrichtet wird („Innovationsstufe II“). Wenn ein Kind in einem Fach aber besondere Leistungen erbringen kann, ist ein Wechsel in eine andere Gruppe/Klasse jederzeit möglich.

Nach der zweiten Klasse haben die Schüler mit AHS-Reife die Wahl zwischen einer Klasse mit einer zweiten lebenden Fremdsprache (Französisch) und dem Unterricht nach AHS-Lehrplan sowie einer Klasse, die wie bisher geführt wird (jeweils in der 1. Leistungsgruppe. Dadurch haben die Schüler die Möglichkeit, fließend in die AHS-Oberstufe umzusteigen.

Alle Klassen profitieren (neben der kleinen Schülerzahl) von einem verstärkten Förderangebot. So steht in den Hauptfächern ein zusätzlicher Lehrer zur Verfügung.

Der Schulversuch wird wissenschaftlich begleitet und soll vor allem auch im Unterricht neue Sichtweisen öffnen. Es ist immer wichtig, neue Wege zu beschreiten, auch wenn - wie in unserem Fall - der Unterricht bereits gute Ergebnisse liefert, wie die Rückmeldungen aus den höheren Schulen zeigen.

Die Eltern der betroffenen Kinder wurden im Frühjahr informiert, das Schulforum fasste einen einstimmigen Beschluss.

Ich möchte mich an dieser Stelle vor allem bei den Lehrern bedanken, die trotz erheblicher Mehrbelastung fast vollzählig den Schulversuch begrüßen. Ein Dank gilt auch Direktor Lechner vom BG St. Johann für die Bereitschaft zum Mitmachen.


HD Albert Sieberer


ZURÜCK