hsa.jpg
Erstes Jahr als Neue Mittelschule

Mit 204 Schülern und Schülerinnen ist die Hauptschule Westendorf in ihr erstes Jahr als Neue Mittelschule gestartet.

Die Neue Mittelschule stellt den Kern eines zeitgemäßen Schul- und Bildungssystems auf der Mittelstufe der 10- bis 14-Jährigen dar. Sie verwirklicht moderne pädagogische Konzepte und gestaltet eine neue gemeinsame Lernkultur. Die Neue Mittelschule ist eine Leistungsschule. Wie in der Volksschule finden hier alle Kinder und Jugendlichen eine breite Palette an Bildungsangeboten unter einem Dach. Die gemeinsame Schule zeichnet sich durch innere Differenzierung und Individualisierung aus ...

Jedes einzelne Kind und dessen individuelle Fähigkeiten und Talente werden gefördert, es gibt mehr Raum für Kreativität und Entfaltung. Die künftige Bildungs- und Berufsentscheidung wird gut vorbereitet. ...

Die Bildungsstandards stellen sicher, dass die Kompetenzen am Ende der achten Schulstufe erreicht werden, und stärken die Schulentwicklung und Feedbackkultur an den Standorten ...

An der Neuen Mittelschule werden Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Fähigkeiten und sozialer, kultureller und sprachlicher Herkunft gemeinsam unterrichtet. Eine zu frühe Festlegung auf bestimmte Bildungswege wird vermieden. Unterschiedliche Leistungsanforderungen, eine Vielfalt an Wahlmöglichkeiten und unterstützende pädagogische Maßnahmen zeichnen die Neue Mittelschule aus. Sie begünstigen sowohl die individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen als auch „soziales Lernen“, also das Lernen miteinander und voneinander. ...

Kinder erhalten genügend Zeit und Unterstützung, um Lerninhalte im eigenen Lerntempo erfassen zu können. Um eine neue Lernkultur auf höchstem professionellem Niveau zu erreichen, spielt bei der Neuen Mittelschule die Aus- und Fortbildung der Lehrenden eine wesentliche Rolle. Die veränderten Rahmenbedingungen erfordern bei allen Beteiligten erweiterte Qualifikationen und Kompetenzen, z.B. im Umgang mit neuen Förderkonzepten und der Umsetzung neuer motivierender Formen der Leistungsbeurteilung.

So heißt es in den Ausführungen des Bildungsministeriums (gekürzt, nachzulesen unter www.neuemittelschuleat/grundlegende_informationen.html).

Vieles von dem ist an vielen Hauptschulen bereits gelebte Realität. So ist der Einsatz einer zweiten Lehrkraft, die sich in gewissen Stunden ganz gezielt um einzelne Kinder kümmert, bei uns schon lange Standard („Integriertes Fördern“). Auch die oft zitierten „neuen Lernformen“ werden in verschiedenen Fächern längst praktiziert, wobei es uns ein Anliegen ist, nicht auf eine einzelne Methode zu setzen, sondern den Unterricht variantenreich zu gestalten. Schließlich haben wir uns stets bemüht, auch im System der Leistungsgruppen eine größtmögliche Durchlässigkeit zu gewährleisten.

Was wird nun aber für unsere Erstklassler anders?

Die Buben und Mädchen werden nach der Volksschule nicht sofort in verschiedene Leistungsgruppen eingeteilt. Sie werden voraussichtlich zwei Jahre lang in allen Fächern gemeinsam unterrichtet, wobei aber in den Hauptfächern Deutsch, Englisch und Mathematik in den meisten Stunden ein zweiter Lehrer dafür sorgen wird, dass einerseits die Leistungsschwächeren und Langsameren eine zusätzliche Förderung erhalten, andererseits aber auch die Leistungsfähigen mit Zusatzangeboten gefordert werden („Team-Teaching“). In vielen Phasen stehen auch zusätzliche Räume zur Verfügung, damit eine fallweise Teilung möglich ist.

Der Gegenstand „Ernährung und Haushalt“, den wir in der modernen Zeit für besonders wichtig halten, wird (im Gegensatz zu Gymnasien und Mittelschulen in anderen Bereichen Österreichs) weiterhin als Pflichtfach geführt, ebenso (in gekürzter Form) das Fach „Geometrisch-Zeichnen“. Selbstverständlich bleiben kreative Unterrichtsgegenstände wie Werken, Zeichnen (Bildnerische Erziehung) und Musikerziehung weiterhin auf der Stundentafel. Eine Neuerung gibt es allerdings beim Werkunterricht, wo ab sofort Buben und Mädchen nicht mehr getrennt unterrichtet werden. Auch das wurde bei uns in den vergangenen Jahren bereits phasenweise praktiziert.

Besonders wichtig ist uns auch weiterhin die Berufsorientierung, die wir in der gleichen Form wie bisher anbieten wollen.

Nach der zweiten Klasse können die Schüler die Hauptgegenstände entweder in der „grundlegenden“ oder in der „vertiefenden“ Bildung absolvieren. Wer nach der vierten Klasse einen Abschluss in der „vertiefenden“ Bildung nachweisen kann, erfüllt damit die Aufnahmekriterien aller weiterführender Schulen. Es stehen ihm damit alle weiteren Möglichkeiten offen - wie schon bisher allen Schülern, die im Abschlusszeugnis überall die erste Leistungsgruppe nachweisen konnten.

Nach der zweiten Klasse ist es auch weiterhin möglich, ein „Wahlpflichtfach“ selbst auszusuchen. Dabei stehen (derzeit) Französisch, Italienisch, Informatik (mit der Möglichkeit, den Europäischen Computerführerschein zu erwerben), Kreatives Werken, Sport im Freien und der Schwerpunkt „Naturwissenschaften“ zur Wahl. Auch dieses Wahlsystem haben wir in den vergangenen Jahren schon mit großem Erfolg erprobt.

Gefordert ist bei der Neuen Mittelschule auch eine Qualitätskontrolle. Auch diesen Schritt haben wir in den vergangenen Jahren bereits mehrfach gesetzt (und dabei immer hervorragende Rückmeldungen erhalten).

Schließlich soll sich auch das Beurteilungssystem in der nächsten Zeit ändern. Dazu werden wir zu gegebener Zeit die Elternschaft informieren.

Nicht zuletzt würde die Organisation der Neuen Mittelschule auch die Möglichkeit der Führung einer „Ganztagsklasse“ bieten. Für nicht wenige Schüler wäre es zweifellos vorteilhaft, wenn der Unterricht (in verschränkter Form) ganztägig sein könnte und sie dann ohne Hausaufgaben (und Schultasche) nach Hause fahren könnten.

Für die Hauptschule Westendorf ist der Schritt zur Neuen Mittelschule zwar nicht nur ein „Schild-Auswechseln“, aber doch auch kein völliger Neubeginn. Wir sehen der Umstellung gelassen entgegen und werden mit vollem Einsatz auch weiterhin am Unterrichtserfolg eines jeden Kindes arbeiten.

Albert Sieberer, Schulleiter